Spaß und Vielfalt als Bausteine zum Erfolg – die Welt ist bunt

Vielfalt zieht Kunden an. Befindet sich in einer Straße ein einzelnes Bekleidungsgeschäft, verirren sich vielleicht von Zeit zu Zeit Menschen dort hin – es macht keinen Spaß. Sind in der gleichen Straße viele Geschäfte mit unterschiedlichen Angeboten ansässig, wird diese recht stark frequentiert sein, weil eben die Vielfalt die Kunden anzieht. Jeder gewinnt dadurch. Vielfalt ist interessant, bietet Reize, verspricht Erlebnisse, subjektiven wie objektiven Zugewinn und Lebendigkeit. Dieser Effekt lässt sich in jeder Innenstadt beobachten. Im Fitnessmarkt verhält es sich ganz ähnlich.

Gibt es viele Anbieter, wird das auch für die Kunden immer interessanter und immer mehr Menschen möchten teilhaben. Warum das so ist, ist einfach zu erklären: Sie haben die Wahl und die haben Konsumenten in jedem Segment gerne. Das ist auch im Fitnessmarkt nicht anders und deshalb ist Vielfalt etwas, was alle Anbieter unterstützen sollten – im eigenen Interesse. Den Fitnessmarkt lebendig halten ist das Ziel, denn nur so ist und bleibt er attraktiv für Millionen von Menschen.

Fun ist Motivation
Was auf den ersten Blick vielleicht seltsam erscheinen mag, ist von großer Bedeutung für den Lernerfolg und dieser ist das Ziel jeder Aus-, Fort- und Weiterbildung. Spaß ist kein Selbstzweck, sondern steht von Lebensfreude und Neugier, Erleben und Annehmen. Dieser nur auf den ersten Blick oberflächliche Begriff des Spaßes ist also im Grunde eine ziemlich ernste Sache und er ist anspruchsvoll. Das Menschen etwas Spaß macht, lässt sich nicht einfach und nicht »platt« erreichen. Gerade im Bereich des Lernens ist Fun wichtig. Spaß und Freude, eine positive Grundstimmung, erleichtert die Informationsaufnahme und baut Blockaden ab. Ein Blick auf die frühkindliche Entwicklung ist hilfreich, um die Zusammenhänge zu verstehen. Verbieten Eltern die spaßbasierte Spielerei, das vordergründig sinnfreie Ausprobieren, korrigieren sie permanent und lassen dem Kind keinen eigenen Entdeckungsspielraum, torpedieren sie dessen Motivation. Der Spaß am Lernen besteht zu einem großen Teil aus der spielerischen Auseinandersetzung und aus dem Sammeln eigener Erfahrungen. Nun ist der Trainierende natürlich kein Kind. Dennoch greifen auch hier ähnliche Regeln und das ist auch gut so. Anstatt »erwachsen« und »ernsthaft« zu tun, ist es sinnvoller, Entdeckungsspielräume zuzulassen und Spaß zu »erlauben«, vielleicht sogar zu fördern. Wichtig ist das auch, weil ein mal verdorbener Spaß nur schwer wieder zu finden ist. In der Praxis heißt das, viel dafür zu tun, dass Stunden den Teilnehmern ein »Entdeckungserlebnis« ermöglichen, sie für sie Fun bedeuten. Dabei ist es völlig uninteressant, ob es sich um eine Weiterbildung oder eine Trainingsstunde handelt, ob es um geistiges oder körperliches Lernen geht. Auch das Alter spielt nur insofern eine Rolle, dass ein Kind natürlich anders angesprochen werden will als ein Erwachsener. Spaß hingegen will der Mensch immer, denn Spaß treibt ihn an, macht aufnahmefähiger und zielstrebiger. Wichtig für den Spaß ist, die Herangehensweise des Gegenübers nicht zu negieren, sondern positiv zu lenken. Zwang würde den Spaß, also auch die Motivation, in kurzer Zeit Richtung Null tendieren lassen und das kann nicht gewollt sein.

Fun fördert Zugehörigkeit
Der Mensch sucht vom ersten bis zum letzten Lebensjahr nach Kontakten zu anderen Menschen, die emotional geprägt sind. Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist wichtig, weil der Mensch ein Feedback braucht, um sich selbst einordnen zu können. Er möchte sich aus diesem Grund in Gruppen integrieren. Gruppen sind natürlich dann besonders attraktiv, wenn sie Erlebnisse versprechen und die Neugier anregen. Attraktiv sind also Gruppen, die Spaß  versprechen und so neugierig machen. Hier besteht eine große Chance für anbietende Gruppen wie zum Beispiel Gruppenfitness-Classes. Sie können das Zugehörigkeitsbedürfnis erfüllen und den Suchenden aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt kommt eine weitere Funktion des Spaßes zum Tragen. Spaß integriert und relativiert. Eine Gruppe, die wirklich Spaß verspricht, erleichtert Integration, weil auch Fehler, die nun mal jeder Mensch hat, nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen. Für den Instruktoren/Trainer bedeutet das natürlich, dafür zu sorgen, dass der Spaß nicht destruktiver Natur ist, also nicht auf Kosten eines Teilnehmers geht. Der Spaß sollte in der Ausgelassenheit, in der Neugier und in der Fitness selbst begründet sein. Nur dann ist er annehmbar und motiviert die Gruppe insgesamt.

Das Kleine im Großen
Das Spaß motivierend wirkt und warum, dürfte nun klar sein und es ist auch durchaus handhabbar, Spaß in einer Gruppe ins Spiel zu bringen. Was bedeutet das aber für ein ganzes Marktsegment und wie kann man dem Spaß auf die Sprünge helfen?

Gegen den Feind des Spaßes, die Langeweile, zu agieren, ist nicht immer leicht und kann auch kontraproduktiv sein, denn die Langeweile ist auch eine Motivation, Spaß zu wollen. Zum Glück befinden wir uns in einem ausgewogenen Verhältnis und laufen sicher nicht Gefahr, so viel Spaß zu produzieren, dass dieser wieder träge und gelangweilt macht. Es existieren genug Freiräume, die weitere Angebote vertragen.

Kommen wir wieder zurück zu unserem Beispiel einer Innenstadt und setzen wir diese dem Fitnessmarkt gleich. Sehen wir ihn als Einkaufsstraße. Nun gibt es viele und nicht alle Einkaufsstraßen sind sonderlich spannend. Sie müssen immer wieder neu belebt werden und   meistens sind es die Neuheiten und auch die Unkonventionellen, die die Kunden in die Straße locken. Es existieren die Geschäfte, die Grundbedürfnisse decken und die, die Witziges und Luxuriöses anbieten. Daneben gibt es auch die Ramschläden, die ihre Klientel bedienen, aber eher nicht zum Einkaufserlebnis beitragen. Der Erfolg dieser Straße ist abhängig davon, dass das Angebot oft genug neue Reize bietet, neugierig macht und Spaß ins Spiel kommt.

Damit das klappt, müssen auf Anbieterseite immer mehr Menschen immer wieder neue Wege gehen, um den Konsumenten zu überraschen, ihn nicht zu langweilen. Die »technischen« Bedürfnisse des Konsumenten müssen dabei genau so berücksichtigt werden, wie die mehr versprechen.

Und wir?
Im Fitnessmarkt verhält es sich ähnlich. Die Konsumenten sind hier die Mitglieder im Fitnessstudio, die Anbieter der Programme sind die Ausbildungsinstitute, die wiederum Trends aufnehmen, sie weiter entwickeln und vermittelbar machen. Dazu kommt eine Vielzahl an Menschen mit Ideen, die hierfür die Anstöße geben und dem Markt die Lebendigkeit verleihen, die er braucht, um erfolgreich sein zu können.  Hierzu ist ein gewisses Maß an Freiheit und Mut erforderlich. Die Vielfalt, die für uns so wichtig ist, benötigt einen offenen und vorurteilsfreien Blick auf neue Entwicklungen. Diese wiederum brauchen Zeit, um zum Trend werden zu können, der dann für den Konsumenten attraktiv wird, auf den er sich einlassen will. Wie in unserer mehrfach erwähnten Einkaufsstraße auch, ist es deswegen wichtig, den Zugang zu ermöglichen und ihn zu stützen. Der Fitnessmarkt braucht seine »Modemacher« und die Verbände sind gut beraten, deren Ideen aufzunehmen und zu verbreiten.

Es war schon immer so
Manchmal stimmt diese Aussage sogar. Es war wirklich schon immer so, dass einzelne Kreative der Szene für die Initialzündungen der Vergangenheit verantwortlich waren. Das ist auch ganz normal. Kaufhäuser und Einzelhändler kaufen Mode ein und vermitteln sie weiter, aber sie entwickeln sie im Regelfall nicht – sie professionalisieren sie allenfalls. Sie schreiben dem Modemacher auch nicht vor, wie ein Kleidungsstück auszusehen hat, denn dann wäre er überflüssig. So ist es dann auch die Aufgabe der Ausbildungsinstitute, Trendsucher zu sein und erfolgversprechende Trends für eine größere Personenzahl erleb- und erlernbar zu machen.

Bei aller Notwendigkeit von Fitness dürfen wir nie vergessen, dass diese keine Verpflichtung des Individuums ist. Zwar weiß jeder Mensch, dass eine gute körperliche Fitness wichtig ist – ob und wie er etwas dafür tut, steht auf einem anderen Blatt. Zwingen lässt er sich nicht – nur dazu motivieren. Nutzen lässt sich eben die Eigenart des Menschen, stets etwas Neues erkunden zu wollen. Da er sich auch durch Gefahr im Regelfall nicht davon abbringen lässt, sollte es doch mit einer gehörigen Portion Spaß erst recht klappen. Laut Berlyne wird Neugier durch Neuartigkeit, Komplexität, Ungewissheit und Konflikt hervorgerufen und für Herodot war sie der Antrieb, hinter die Dinge schauen zu wollen. Für Platon war die Neugier und das Staunen sogar der Anfang aller Philosophie.

Wofür ist zu sorgen?
Was wir brauchen, ist Spaß als klare Folge von Neugier. Neugierig machen wir durch steten Wandel und die eigene Wandelbarkeit und Kreativität. Hierzu brauchen wir Freiräume, Mut und Zuversicht – die sich in den Angeboten an die Mitglieder wiederspigelt. Das zieht Menschen an und hilft ihnen, sich aus ihrer Lethargie, ihrer Antriebslosigkeit, zu befreien und lässt sie Angebote annehmen.

Fazit
Spaß ist kein Witz. Dessen sollte man sich bewusst sein. Spaß ist ein wichtiges Werkzeug, um als Anbieter einer Ware oder einer Dienstleistung erfolgreich zu sein. Spaß beinhaltet viele Komponenten: Kreativität, Lust, Neugierde und auch ein gewisses Maß an Anarchie, Konventionslosigkeit und Gefahr. All das lässt sich positiv nutzen, wenn man denn will und sich selber die Freiheit zugesteht, Spaß an der Sache hat. Nur, wenn man selbst fasziniert ist und etwas will, Spaß hat, ist man in der Lage, andere Menschen zu motivieren und an sich zu binden. Die Aufgabe der Ausbildungsinstitute und Verbände ist, neben denen, die gerne »arbeiten« auch die zu integrieren, die einfach nur Spaß haben wollen. Hierbei handelt es sich um eine große Anzahl an Menschen. Diese wollen entdecken und erleben, wollen aber keine allzu große Starrheit, da sie im Berufsleben genug reglementiert sind. Diesen Personenkreis zu erreichen, wird die Aufgabe der nächsten Jahre sein. Dieser Aufgabe werden sich auch die Studiobetreiber stellen und ihren Mitgliedern ein vielfältiges und interessantes Angebot machen müssen, das Spaß UND Sinnhaftigkeit verspricht. Menschen, die die Wichtigkeit von Fitness erkannt haben und denen Sport ohnehin Spaß macht, sind relativ einfach zu motivieren. Die, die erst dahin gebracht werden müssen, stellen alle Anbieterebenen vor eine große Aufgabe, der man nicht entrinnen kann. Die glaubhafte Vermittlung von Integration, Spaß und Erlebnisräumen ist ein Weg, diese Menschen zu erreichen – auch, um ihnen die Scheu vor dem »Leistungstempel Fitnessstudio« zu nehmen.