Manuelle Therapie: Massage

Ein hilfreicher "Reflex"

Weltweit wird geklopft und geknetet. Massagen gelten als sinnliche Art der Heilung und gehören zu den ältesten bekannten Praktiken. Manuelle Therapien basieren auf einem Reflex. Wir selbst massieren uns die Schläfen, wenn wir unter Kopfschmerzen leiden oder die Wade, wenn der Muskel verkrampft. Ohne uns dessen bewusst zu sein, setzen wir einen heilenden Prozess in Gang.

Trifft Haut auf Haut, entsteht ein Reiz. Dieser wird von Tastkörperchen aufgenommen und findet seinen Weg extrem schnell durch die Nervenbahnen bis ins Gehirn. Während der Massage wird zudem das Hormon Oxytocin freigesetzt. Dieses Hormon besitzt die Eigenschaft, Stress zu mindern, Angst zu nehmen und Schmerzen zu lindern. Auch die Produktion von Endorphinen wird während der Massage angeregt. Es geschieht also viel mehr im Körper, als man anfangs vermuten möchte.

In einer Zeit, in der Skeletterkrankungen trauriger Spitzenreiter sind, ist die Massage kaum überzubewerten. Rückenleiden sind in Deutschland seit Langem die Volkskrankheit Nummer 1, wegen der jährlich ca. 300.000 Menschen ein Krankenhaus aufsuchen. Das Resultat sind über 70 Millionen Fehltage im Wert von 25 Milliarden Euro. Was auf den ersten Blick wie eine Bagatelle wirkt, verursacht demnach einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden. Naheliegend ist es demnach, diesem Missstand mit Massagen und natürlich mit der Kräftigung der Rücken- und Rumpfmuskulatur mittels eines angepassten Fitnesstrainings zu begegnen.

Gründe für Rückenschmerzen können vielfältiger Natur sein. Zu wenig Sport, zu viel sitzende Tätigkeiten und zu viel Stress. Der Muskulatur gefällt das gar nicht und sie reagiert. Wo sie stützen sollte, bleibt sie schlaff und wo sie entspannt sein sollte, verkrampft sie. Die Folge: Von der Halswirbelsäule bis hinunter zum Becken stützt sie nicht mehr und im Nacken sorgt sie für das, was im Volksmund als Verspannung bezeichnet wird. Schuld hierfür ist ein überhöhter Ausstoß von Adrenalin, das dafür sorgt, das der Muskel schlechter mit Nährstoffen versorgt wird – der Muskel schmerzt.

Das Warum
Das Ziel der Mehrheit manueller Therapien ist es, dem Körper seine Beweglichkeit zurück zu geben. Das kann auf den unterschiedlichsten Wegen geschehen. In der Welt der manuellen Therapien mischen sich Praktiken aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Insbesondere in Asien sind manuelle Therapien, wie andere alternative Heilmethoden auch, weit verbreitet. Gemeinsam ist ihnen, dass – bis auf wenige Ausnahmen – nur geringe Risiken bestehen. Natürlich besteht immer die Gefahr, dass durch eine fehlerhafte Massage auch eine Verschlechterung des Zustandes eintreten kann. Beachtet werden sollte auch, dass die Wirksamkeit nicht bei allen Beschwerden wissenschaftlich gesichert ist. Es ist übrigens durchaus möglich, dass nicht die Behandlung selbst, sondern schon die intensive Zuwendung des Behandelnden einen positiven Effekt zur Folge hat.

Klassische Massage
Gut belegt ist die Wirksamkeit der klassischen Massage, die Anfang des 19. Jahrhunderts von Per Hendrik Ling (Heilgymnast, Schweden) entwickelt wurde. Sie wird aus diesem Grund als Schwedische Massage bezeichnet und verfolgt das Ziel, nach dem Erspüren von Verspannungen und Verhärtungen den Fluss von Blut und Lymphe anzuregen. Dieses Ziel wird über Knetungen, Reibungen, Klopfungen und Vibrationen erreicht.

Das Gedächtnis des Körpers
Der menschliche Körper besitzt ein Gedächtnis, das sich an Verletzungen erinnert und versucht, ehemals betroffene Bereiche zu schützen. Das ist gut – im Prinzip. Leider aber erinnert sich der Körper oftmals zu lange und es tritt ein Ungleichgewicht ein – in der Form, dass durch die Schonung andere Körperbereiche überlastet werden, obwohl dies gar nicht mehr nötig wäre. Ein guter Therapeut erkennt diesen Zusammenhang und hat den gesamten Menschen im Blick. Eine gute Beobachtungsgabe und ein umfassendes anatomisches Wissen ist hier durch nichts zu ersetzen. Hiervon ist keine manuelle Therapie ausgenommen. Im Umkehrschluss heißt das auch, dass ein Masseur, der dies nicht beachtet, kaum helfen kann.

Im Bereich der manuellen Therapien existieren nicht in allen Bereichen gesetzlich geregelte Berufsbilder. In jedem Fall sollte man darauf achten, ob und wo der Masseur eine Ausbildung erhalten hat. Auch die Bedingungen, wie und wo die Behandlung stattfindet, sind zu beachten. In jedem Fall kann man ausschließen, was schon augenscheinlich nicht passt. Denn auch, wenn das Risiko relativ gering ist – auch eine Behandlung ohne Effekt ist eine zuviel.