Immer mit der Ruhe - Meditation

Du willst besser sein, mehr erreichen, Erfolge erzielen - klar. Das Problem ist nur, dass dein Job dich derzeit stresst, es Probleme in der Familie gibt und dein bester Freund weggezogen ist. Der Druck lässt Dich den ganzen Tag nicht los und auch beim Training hört es nicht auf. Das ist nicht gut für die Leistung. Es gibt zwar Menschen, die vergessen, wenn sie trainieren, Du gehörst aber nicht dazu. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, über Meditation nachzudenken.

Das Missverständnis
»Meditation ist was für Esoteriker und Asien-Fans« Das stimmt so nicht. Natürlich kennen wir die Meditation hauptsächlich im Zusammenhang mit Yoga, doch ist das eben nur die halbe Wahrheit. Es bedarf keines Glaubens-Hintergrundes oder einer Mythologie, um meditieren zu können. Dies gelingt - völlig davon losgelöst - auch so. Dabei ist das Ziel, Gelassenheit mit sich zu erfahren, natürlich gleich. Diese, verbunden mit einer geschärften Konzentration, ist denn auch das Ziel und eine Möglichkeit, die eigene Leistungsfähigkeit durch mehr Freiheit von Alltagsproblemen zu steigern.

Allgemeines
Meditation ist oder sollte ein alltäglicher Vorgang sein, der fest in den Tagesablauf eingeplant wird. Dabei reichen bereits 5 - 10 Minuten, um an innerer Ruhe, Distanz zum Alltag und sich damit zu mehr geistiger Kraft und Gleichgewicht zu verhelfen. Die Dauer lässt sich je nach Bedarf variieren. 20 - 30 Minuten gelten als sinnvoll, um sein Bewusstsein, die eigene Wahrnehmung, nachhaltig zu verändern. Ab diesem Zeitpunkt kann mit einem Anwachsen der persönlichen Fähigkeiten gerechnet werden. Dazu gesellt sich ein insgesamt positiveres Verhältnis zu sich selbst und die Fähigkeit - um die es uns geht - leistungsmindernde Stressfaktoren besser handhaben zu können. Das oftmals angeführte Gefühl »tiefer Wonne« und die »Einheit mit allen anderen Menschen« - vielleicht erreichbar, aber das wäre hier nur ein Nebeneffekt.

Der richtige Zeitpunkt
Ist Leistungssteigerung im Sport das primäre Ziel bietet sich natürlich der Zeitraum direkt vor dem Training oder Wettkampf an. Das ist nur einer der Zeitpunkte. Zwar kann eine Kurz-Meditation positive Auswirkungen haben - als »finales Luftholen« vor der Beanspruchung, sinnvoller ist es, bereits am frühen Morgen mit einer »meditativen Pause«, mit Konzentrationsübungen, zu beginnen. Findet eine Meditation ausschließlich vor dem Zeitpunkt der Leistungsabrufung statt, besteht die Gefahr, dass diese selbst durch den Druck der Erwartungshaltung torpediert wird und keinen positiven Effekt mehr besitzt. Richtiger ist es also, morgens zu meditieren, den Tag entsprechend entspannt zu beginnen und sich vor dem Sport noch einmal für eine kürzere Zeit in diesen Zustand zu begeben. Ergänzend sollte eine 5-Minuten-Meditation genutzt werden, um nach der Beanspruchung wieder auf ein Normalmaß zu finden.

Meditation - eine Kurzanleitung
Nein, es braucht keine Räucherstäbchen, es sei denn, man mag sie. Wichtig ist es, eine bequeme Stellung mit geradem Rücken einzunehmen - das erleichtert die Atmung. Der Rücken sollte hierbei nicht anglehnt sein, die Beine in gekreuzter Haltung. Die Hände können dabei gefaltet oder auf den Oberschenkeln abgelegt sein. 

Ziel ist es, die eigene Gedankenwelt für eine bestimmte Zeit zur Ruhe zu bringen. Hilfreich ist es, Körperteile bewusst anzuspannen und wieder loszulassen. Auch eine tiefe Bauchatmung während dieser Phase hat positive Einflüsse. 

Nun kommen wir zum heikelsten Teil der Meditation. Im Ursprung handelt es sich bei einer Meditation um nichts anderes als ein Gebet. Es ist durchaus vergleichbar mit denen, die in christlichen Kirchen gesprochen werden. Wer sich dieser zugehörig fühlt, kann durchaus Sätze aus seinem Lieblingsgebet verwenden und diese wiederholen. Es ist nicht nötig, in ein asiatisches Gebaren zu verfallen. Wer nichts mit derlei Worten anfangen kann oder möchte, kann auch auf »Leitsätze« zurückgreifen. Formuliere ein Ziel in einem kurzen prägnanten Satz und wiederhole diesen einfach. Es ist hierfür nicht notwendig, einen »Meister« oder ein anderes »höheres Wesen« anzurufen - die Konzentration auf das eigene Wollen reicht völlig aus.

Mit dem Körper meditieren
Wenn es um körperliche Leistungen geht - was läge näher, als mit dem eigenen Körper zu meditieren? In der Ausdehnungs-Meditation geht es um die eigene Körperwahrnehmung und ein positives Feedback. Um dieses zu erreichen, soll wieder erlernt werden, den eigenen Körper zu spüren. Das ist nicht so leicht und nicht so normal, wie oftmals angenommen. 

Nacheinander sollen alle Körperteile, die den Boden berühren, bewusst wahrgenommen werden - die ganze Konzentration gehört ihnen - zuerst den Füßen, dann dem Gesäß. Im Anschluss werden die Hände auf den Boden gelegt. Auch hier geht es um Wahrnehmung. Konzentriere Dich danach auf alle Körperteile, die Kontakt haben, insgesamt und dann wieder auf die einzelnen Körperteile. Ein wichtiger Aspekt ist die Eigenbeobachtung und das Atmen. Atme »in« die Teile des Körpers und beobachte, wie sie sich »ausdehnen«, Raum für sich beanspruchen. Dieser Vorgang wird mit allen Körperteilen wiederholt. Dabei können Körperteile als Gruppen zusammengefasst werden - also die linke, die rechte Seite, der Kopf mit Augen, Nase, Mund, Wangen, Stirn. Die Konzentration und die »Ausdehnung« des eigenen Körpers sorgen für Energie und positive, ganzheitliche Wahrnehmung. Es geht um das »Einswerden« mit sich selbst innerhalb einer positiven und energiereichen Raumerfahrung. Letztlich gewinnst Du das, was Viele sich wünschen - mehr Raum. Das befreit und kann zu mehr »befreiter Leistung« führen.

Fallstricke
Das größte Problem, was den Erfolg oder Nicht-Erfolg von Meditation oder meditativen Praktiken betrifft, ist der Leistungswille selbst. Dieser hat während der Zeit der Meditation keinen Platz, denn sie selbst ist kein Sport, keine Leistung, sie soll diese nur erleichtern, eine bessere Grundlage dafür schaffen. Mache Dich also frei von Leistungsgedanken in Bezug auf die Meditation. Sei Dir gewiss, dass sich ihr Erfolg nicht erzwingen lässt. Sie ist das exakte Gegenteil von Wettkampf und genau deswegen eines der besten Mittel, diese erfolgreicher bestreiten zu können.