Alles Energie oder was

Unser Körper benötigt Energie. Die wichtigste Energiequelle sind Kohlenhydrate, da sie die benötigte Energie schnell bereitstellen. Nach erfolgter Aufnahme speichert unser Körper Kohlenhydrate auf unterschiedliche Art. In unserer Muskelmasse werden Kohlenhydrate als Muskelglykogen gespeichert, in der Leber als Leberglykogen und im Blut als Blutglukose. Die Mengen können stark variieren – je nach Trainingslevel der betreffenden Person.

Unbegrenzte Reserven?
Nein: Kohlenhydrate bauen sich bei Belastung relativ schnell ab. Dies geschieht aerob und anaerob, also mit (Oxidation) und ohne Sauerstoff (biochemisch). Durch die Art des Abbaus kann man davon ausgehen, dass die Reserven im Körper bei Belastung nur für ca. 45 bis 90 Minuten reichen. Bei starker, längerer Belastung ist also dafür zu sorgen, dass der Nachschub an Energie/Kohlenhydraten nicht ins Stocken gerät. Gerade für Marathonläufer, Radfahrer und Ruderer ist es wichtig, sich auch während der Sportausübung mit Kohlenhydraten zu versorgen. Gebräuchlich sind Getränke, Gels oder der Klassiker: Die Banane.

Wie funktioniert es?
Im anaeroben Bereich wandelt sich Glukose in aktive Essigsäure. Dabei wird Energie frei. Innerhalb dieses Bereiches ist es möglich, in kurzer Zeit hohe Energie zur Verfügung zu stellen. Allerdings ist diese Art der Energiegewinnung nicht sonderlich effektiv, da nur 5 % der Energie verwendet werden. Der Wirkungsgrad ist also sehr gering. Auf der anderen Seite benötigt der Körper bis zu 60 Minuten, um sich wieder zu regenerieren. Aus diesem Grund ist die anaerobe Energiebereitstellung nicht unbedingt erstrebenswert, eignet sie sich doch allenfalls für eine sehr kurze Spitzenleistung, beispielsweise einen Spurt beim Hundertmeterlauf. Ein Ausdauersportler hätte nichts davon.

Die besagte Essigsäure wird in die zweite Stufe der Energiegewinnung überführt – die aerobe Glykolyse. Diese geschieht unter Zufuhr von Sauerstoff. Hierbei wird sie weiter abgebaut, wobei CO2 und Wasser als Restprodukte entstehen. Beide Stoffe verlassen den Körper über die Atmung, als Urin, Schweiß oder Atem.

Das aerobe Training
Das aerobe Training zeichnet sich dadurch aus, dass es beide Stufen der Energiegewinnung beinhaltet. Bei Steigerung der Trainingsintensität kommt es dazu, dass die Sauerstoffzufuhr (aerob) die gesamte aktive Essigsäure nicht mehr verbrennt. Die Folge ist, dass sich die verbleibende Essigsäure zu Milchsäure (Lactat) umwandelt, wenn die Konzentration eine gewisse Grenze übersteigt. Das Laktat sammelt sich im Blut und in den Muskelzellen an. Hierauf basiert übrigens die Leistungsdiagnostik durch Lactatmessung. In dem Moment, in dem wieder ausreichend Sauerstoff zur Verfügung steht, wandelt sich die Milchsäure zurück in Essigsäure, um dann »verbrannt« zu werden. Folglich ist die Milchsäure (Laktat) nichts weiter, als ein Zwischenspeicher für Essigsäure.

Probleme
Ist der Körper durch das Vorhandensein von Milchsäure zu stark übersäuert, fällt die Energieproduktion ab, da die zuckerabbauenden Enzyme den Vorgang nicht mehr bewältigen können. Tritt dieser Moment ein, hat der Trainierende seinen »Toten Punkt« erreicht. Spürbar ist dieser am schwinden der Kraft bis hin zur Unmöglichkeit, sich noch zu bewegen. Eine Laktatüberkonzentration stört ebenfalls das Zusammenspiel der Muskeln. Das Risiko, sich zu verletzen, steigt ab diesem Zeitpunkt. Aus diesem Grund ergibt es auch keinen Sinn, den besagten toten Punkt überwinden zu wollen.

Regeneration
Damit sich der Körper nach einer sportiven Belastung wieder erholen kann, ist es wichtig, dafür zu sorgen, die entstandene Milchsäure in die Blutbahn zu transportieren. Das geschieht im Allgemeinen durch ein Auslaufen, bzw. durch ein lockeres Herunterfahren des Trainings. Ist das Lactat im Blutkreislauf angekommen, kann die Leber das Lactat wieder in Kohlenhydrate zurückwandeln. Man spricht hierbei von der Gluconeogenese.

Die Energie des Menschen
Glucose ist der Treibstoff des Menschen. Der tägliche Glucosebedarf eines erwachsenen Menschen beträgt ca. 160 g. Der größte Abnehmer ist übrigens unser Gehirn, welches unabhängig von der Belastung 120 g für sich beansprucht. Hierdurch wird auch erklärlich, warum Energiemangel – durch welche Mangelernährung auch immer hervorgerufen – dem Geist sicher nicht hilft. Unser Körper speichert zwischen 400 und 450 g Glycogen in den Muskeln und in der Leber, während im Blut ledigliche 90 mg pro 100 ml vorgehalten werden. Unsere Körperzellen beziehen ihre gesamte benötigte Energie aus der Glycolyse, während unser Gehirn seinen Bedarf an schnell verfügbarer Energie fast ausschließlich durch Glucose bezieht.

Unser Körper ist also auf diese Energie angewiesen, ebenso wie unser Gehirn. Der unbedingte Verzicht durch Diäten oder durch eine Versorgungsknappheit kann schwerwiegende Folgen haben; nicht zuletzt für unser Gehirn, das schnelle Energie benötigt, die über Fette nicht bereitgestellt werden kann.

Was ist: Milchsäure
Bei Milchsäure handelt es sich um ein wichtiges Zwischenprodukt innerhalb des Stoffwechsels. Doch nicht nur innerhalb unseres Körpers ist Milchsäure wichtig. Weltweit werden jährlich etwa 150.000 Tonnen Milchsäure produziert um »saure Produkte« herzustellen. Hierbei handelt es sich vorwiegende um Sauermilchprodukte wie Joghurt und Buttermilch, die ohne Milchsäure nicht denkbar wären. Auch zur Herstellung von Sauerkraut und Sauerteig ist Milchsäure notwendig. Das Säuerungsmittel Milchsäure trägt als Lebensmittelzusatzstoff die Bezeichnung E 270. Industriell hergestellt wird Milchsäure durch die Vergärung von Milch oder Molke durch Bakterien.