Stell dir vor - du bist gut

Es soll vorkommen, dass Menschen davon träumen, etwas ganz Bestimmtes zu erreichen. Während wir träumen, hoffentlich positiv, stellen wir uns etwas vor. Die Fähigkeit, Vorstellungen zu entwickeln, lässt sich auch zu Trainingszwecken nutzen. Mentales Training gilt seit geraumer Zeit als eine wirksame Strategie, wenn es darum geht, sich sportlich, geistig und emotional weiter zu entwickeln. In der kognitiven Verhaltenstherapie kommt mentales Training zum Einsatz, um z.B. den Umgang mit der Angst zu erlernen. Es ist naheliegend, dass mentales Training auch in Bezug auf Sport und Wettkampf positive Effekte hat.

Weg mit den Zweifeln
Wie in jedem Lebensbereich, ist es auch im Sport normal, negativen Gedankengewohnheiten »auf den Leim zu gehen«. Wie das Wort »Gewohnheit« schon andeutet, kann man sich von diesem destruktiven Gedankengut
auch wieder trennen. Mentales Training bietet sich hier an, um eine optimistische progressive Denkweise zu trainieren. Auch an diese kann man sich gewöhnen. Ein probates Mittel, sich von negativen Vorstellungen zu befreien, ist, diese durch positive Vorstellungen zu ersetzen.

Die Gedanken sind frei
Und weil das so ist, ist es möglich, sich die verschiedensten Dinge vorzustellen. In unserem Fall geht es darum, sich vorzustellen, wie wir in einer bestimmten Situation denken, fühlen und handeln möchten. Damit ist der Kern des mentalen Trainings auch schon erklärt. Die dazu nötigen Übungen sind nichts Neues. Jeder Mensch führt sie intuitiv mehrmals am Tag durch, wenn er sich überlegt, wie er in welcher Situation vorgehen würde. Der Unterschied ist, dass wir es in voller Absicht und mit positiven Gedanken tun wollen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wir müssen also nichts lernen, wir müssen das, was wir ohnehin beherrschen nur neu anwenden. Sich etwas vorstellen, heißt, etwas erleben. Gefühlsmäßig macht es keinen besonderen Unterschied, ob man etwas wirklich erlebt oder ob man es sich »nur« vorstellt. Dies lässt sich recht einfach verdeutlichen. Hierzu reicht es eigentlich schon, sich vorzustellen – und zwar intensiv – auf ein Stück Stoff oder auf Aluminiumfolie zu beißen. Jeder weiß, wie widerlich das ist und jeder Mensch ist in der Lage, sich dieser Vorstellung hinzugeben und – obwohl es gar nicht geschieht – ein entsprechend negatives Gefühl zu haben; zuweilen bis hin zu einem Zustand, in dem das entsprechende Gefühl, die Wahrnehmung, wirklich eintritt. Vermutlich werden Sie sich schütteln und das Gesicht verziehen. Vorstellung ist also keineswegs zu unterschätzen. Um körperliche Reaktionen hervorzurufen, reicht eine mentale Beschäftigung aus – und das lässt sich konstruktiv nutzen.

Die Praxis
Mentales Training in der Praxis teilt sich im Regelfall in zwei Abschnitte auf. Natürlich lässt es sich nicht mit einem Fingerschnippen trainieren, da man sich erst in die notwendige Verfassung bringen sollte. Hierzu sind Entspannungsübungen notwendig, damit der Alltag abfällt und man in eine Situation der Konzentration und Ruhe gelangt. Entspannungsübungen sind sehr einfach erlernbar und in vielen Lebenslagen ein probates Mittel, einen kühlen Kopf bewahren zu können. Binnen weniger Minuten können Anspannung und Nervosität – oft die Basis für Fehlentscheidungen – beseitigt werden. An diese Übung schließt sich das eigentliche mentale Training an.

Die Entspannung
Entspannung hat viel mit Konzentration, also auch mit Ausschluss zu tun. Um Störendes ausschließen zu können, kann man damit beginnen, etwas tiefer einzuatmen, als man es für gewöhnlich tut. Hierzu sollte eine bequeme, aber aufrechte Sitzposition eingenommen werden. Auf das Einatmen folgt das Ausatmen, ohne den Atem anzuhalten. Danach sollte der Atem für 6 bis 10 Sekunden angehalten werden, wobei sich schnell zeigen wird, welche Zeit am angenehmsten ist. Dieser Vorgang wird für einige Minuten wiederholt, bis sich ein Gefühl der Entspannung einstellt, was geschehen wird. Es ist also relativ einfach, ein Gefühl der Entspannung herbei zu führen. Weder Geheimwissen, noch sonderbare Instrumente sind dafür nötig – Luft holen reicht.

Das Training
Nach erfolgter Entspannung kann mit dem mentalen Training begonnen werden. Hierzu sollte sich eine Situation vorgestellt werden, in der man gelassener reagieren möchte. Da die meisten Menschen sich gut genug kennen, dürfte es unproblematisch sein, so zu denken, zu fühlen und zu handeln, wie man auch in der Praxis agieren würde. Alternativ lässt sich auch Wettkampf- oder Trainingssituation visualisieren und »erfühlen«.

Ein Beispiel
Die Situation, anderen Menschen etwas beibringen zu sollen, setzt Viele unter Druck. Auch, wenn man selbst das, was man lehren möchte, sehr gut beherrscht, bedeutet das Agieren vor einer Gruppe Stress. Um hiermit besser umgehen zu können, kann man mentales Training nutzen, das – wie immer – mit einer Entspannungsübung beginnt. Darauf folgt die Vorstellungsübung. In deren Verlauf stellen Sie sich vor, wie Sie den Raum betreten und sich vor Ihre Gruppe stellen. Jetzt sagen Sie sich: »Ich bin mir unsicher, ob ich bei meinen Trainierenden ankomme und Alles richtig mache. Wir werden sehen. Ich werde mein Bestes geben und meine Aufgabe erfolgreich erfüllen. Sollte es Probleme geben, werde ich eine kurze Pause machen, mich konzentrieren und dann fortsetzen. Im Anschluss werde ich das Geschehene analysieren und mich besser vorbereiten. Meine Stunden werden jedes Mal besser werden, da ich mich weiter entwickeln werde.«

Der eintretende Effekt wird sein, dass die Verunsicherung/Angst durch eine positive Sicht ersetzt wird, die naturgemäß die beste Basis für ein Weiterkommen darstellt. Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit den Aufgaben sind der Schlüssel zum Erfolg. Die Konzentration auf die positiven Perspektiven schafft positive Ergebnisse. Im Grunde handelt es sich dabei um eine positive zukunftsorientierte »Selbsterfüllende Prophezeiung.

Ist mentales Training also nur Getue und Einrederei?
Ganz und gar nicht. Bei mentalem Training handelt es sich lediglich um einen überraschend einfachen Weg, destruktive Vorstellungen/Selbstgespräche durch die positive Variante zu ersetzen und sich so entsprechend zu motivieren. Positivismus und Aufmunterung wird zur Gewohnheit. Eingefahrene negative Denk- und Gefühlsgewohnheiten werden verändert, kehren sich um. Die sich daraus ergebende Sichtweise und das daraus resultierende positive Gefühl bei anstehenden Aufgaben ermöglicht einen freieren Umgang. Die Folge ist, sich Aufgaben besser stellen und sie letztendlich erfolgreicher bewältigen zu können.